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Thursday, September 20, 2012

Spotify, Simfy, Juke - ein Resümee



Ich hatte in den letzten Monaten das Vergnügen einige der in Österreich verfügbaren Streaminganbieter zu testen. Deezer, Napster, Rdio und alle anderen sind in Österreich noch nicht zugänglich, also habe ich mich auf die 3 größten konzentriert.

Mich hat die Idee alle erdenkliche Musik jederzeit zum Hören verfügbar zu haben, schon immer sehr gereizt. So wächst zwar die eigene Musiksammlung unaufhörlich, aber wirklichen Zugriff habe ich darauf nur von zuhause.
ITunes-match usw. war für mich nie ein Thema, aus Gründen, die ich hier schon im Zusammenhang mit meiner iTunes-Aversion beschrieben habe.

Alle 3 Anbieter haben eigene iOS Apps, sowohl fürs Iphone als auch speziell fürs Ipad optimiert. Nur Juke hatte während meiner Testzeit keine eigene Ipad-App. Spotify wiederum verlangt auf dem Ipad iOS5, für das iPhone gibt es aber auch eine eigene iOS4 Version.

Die Musikauswahl war bei allen 3 durchaus unterschiedlich. So hatte  Spotify bei weitem die meisten Alben im Angebot, jedoch waren viele der Alben ausgegraut und nicht verfügbar, vermutlich aufgrund von regionalen Restriktionen in der Rechtevergabe. Besonders ärgerlich war bei Spotify, dass wenn ein neues Album erschien und man es auch tatsächlich streamen konnte, kurz darauf dieses Album wieder deaktiviert wurde. Bei etwaigen Titeln daraus, die man in einer eigenen Playlist gespeichert hatte, wurde dann immer mit einer lästigen Fehlermeldung gekontert.

Was Audioqualität betrifft, so war Juke eindeutig am schlechtesten. Juke verwendet zwar einen eigenen und angeblich sehr effizienten Komprimierungsalgorithmus von Dolby, der auch bei schlechter Netzverbindung problemloses Streaming erlauben soll, aber die Klangqualität war wirklich unter aller Sau, selbst Internetradiosender klingen besser. Eine Wahl zwischen verschiedenen Qualitätsmodi ist bei Juke nicht verfügbar. So waren auch Kompressionsartefakte zu hören, die man sonst bei Bitraten unter 64kbit erhält. Und tatsächlich scheint es sich um sehr niedrige Bitraten gehandelt zu haben, denn bei Betrachtung des temporär angelegten Caches wurden für 5 Minuten Songs nur knapp über 1MB verbraucht!

Simfy streamt angeblich mit 192-320kbit, vermtlich je nach Art der Verbindung, aber auch hier sind keinerlei Einstellungen zur Qualität verfügbar.

Nur Spotify bietet Möglichkeiten die Streamingqualität zu beeinflussen. Man hat die Wahl zwischen "normal", "high" und "extreme", wobei diese etwa 96, 160 und 320kbit entsprechen. Aber selbst die niedrigste Qualität klingt bereits sehr gut und beinahe artefaktfrei, da Spotify mit dem Ogg Vorbis Codec streamt, der sogar bei noch niedrigeren Bitraten halbwegs erträgliche Resultate erlaubt.

Mich hat vor allen interessiert, wie gut die Musikwiedergabe bei Nutzung des Mobilnetzes funktioniert. Da ich zwischen Wien und Umgebung unterwegs bin und die Netzverfügbarkeit nicht immer 3G entspricht sondern ab und zu auch auf Edge oder sogar GPRS abfällt, waren die Resultate bei allen Anbieter auch unterschiedlich. Am besten hat in der Tat Juke funktioniert. Selbst bei sehr schlechter Verbindung, konnte man mit Juke fast ohne Unterbrechungen Musik hören. Spotify unterbrach zwar manchmal, aber fing dann wieder von selbst an zu spielen, Simfy hat sich hingegen sehr willkürlich verhalten, entweder es sprang gleich zum nächsten Titel, oder es spuckte Fehlermeldungen aus, dass eine Wiedergabe nicht möglich sei usw.
Spotfiy hat während meiner Testzeit außerdem immer wieder mit Problemen bei Titelwechseln zu kämpfen. Oft blieb die App am Ende eines Stückes einfach stecken. Die Kommentare im entsprechenden Forum wurden auch immer zorniger, da selbst nach mehreren Updates das Problem von neuen auftrat.

Die Apps waren alle unterschiedlich gut oder schlecht. Am simpelsten war die App von Juke. Man fand sich schnell zurecht, es gab keinerlei versteckte "Tricks" und alles funktionierte auch wie es sollte.
Die Simfy App war im Grunde eine ziemliche Zumutung, vor allem auf dem Iphone war das Interface undurchsichtig und auf mehreren Ebenen verschachtelt. Die Wiedergabeseite bot dann auch weder einen sichtbaren Lautstärkeregler, noch eine Umschaltung zwischen verschiedenen Airplay- bzw Bluetoothquellen.
Spotify war meiner Meinung nach die anwenderfreundlichste App, so konnte man bei einem gerade gespielten Titel sofort zum entsprechenden Album oder Künstler springen, was bei Simfy eigentlich unmöglich war.
Dafür war die Playlistenverwaltung bei Simfy bei weitem am umfangreichsten. Man konnte Playlisten erstellen, sie umbennen, die Sortierung der einzelnen Listen nachträglich ändern, einzelne Titel darin verschieben, löschen usw.
Bei Spotify war all dies nicht möglich, zumindest nicht direkt aus den iOS-Apps heraus, sondern nur vom Desktopprogramm am Computer, die ich jedoch bei mir nicht mal installiert hatte, da ich meistens Musik unterwegs hören will und nicht zuhause vor dem Bildschirm. Eine am Iphone oder Ipad erstellte Playlist blieb dann auch da, konnte zwar als ganze gelöscht werden, erlaubte jedoch weder eine Umsortierung, noch eine Umbenennung oder das Ändern einzelner Titel darin. Mit dem Desktopprogramm hingegen konnte man die Playlisten in zusätzlichen Ordnern platzieren etc.

Alle Apps boten auch die Möglichkeit Musik aus ausgewählten Playlisten direkt auf dem Gerät zu speichern, um diese dann offline verfügbar zu haben. Bei Spotify gab es hier wieder das Problem, dass der Cache selbst nach dem Löschen nicht wieder geleert wurde. Hatte man zig GB an Musik in Spotify gespeichert, belegte nach dem Löschen der entsprechenden Playlisten die Musik nach wie vor Speicherplatz. Trotz zahlreicher Beschwerden im Forum, war laut Spotify-Support die einzige Möglichkeit den angelegten Cache wieder zu löschen die vollständige Deinstallation der App!

Aber das größte Manko für mich war die Verwaltung der Musik und die Erstellung von Favoriten. Alle Apps boten zwar Playlists, Favoriten oder Sternenvergabe, aber nur Simfy hatte dies auch entsprechend vernünftig und konsequent umgesetzt. In Simfy konnte man einzelne Titel, oder Künstler, aber auch einzelne Alben oder ganze Playlisten als Favoriten speichern. Alle wurden dann in der entsprechenden Kategorie "Künstler", "Album" usw. gelistet.
Auch bei Spotify konnte man Sterne vergeben, entweder für einzelne Titel, oder für ganze Alben, jedoch wurden diese dann in einer einzigen elendslangen Favoritenliste gespeichert, ohne zusätzliche Unterkategorien. Wollte man ein ganzes Album als Favorit speichern, wurden alle Titel daraus am Ende der Liste angehängt. Lieblingskünstler usw konnte man gar nicht speichern. Die einizge wirklich nutzbare Sortierung in Spotify war die Anlegung von Playlisten, die dann wiederum ziemlich lästig wurden, da sie wie schon erwähnt am iOS-Gerät nicht mehr verändert werden konnten.

Insgesamt hat mich kein einziger Anbieter wirklich überzeugt. Juke ist schon aufgrund der schlechten Audioqualität ausgeschieden. Aber auch bei Simfy und Spotify war ich nicht bereit jeden Monat 10 Euro oder mehr für ein Service zu zahlen, das nur halbherzig funktioniert. Selbst meine Mutter, welcher ich ein Simfy-abo für ihr Ipad geschenkt habe, beklagte sich immer wieder über Instabilitäten der App, Abstürze usw. Ich habe auch immer wieder bemerkt, dass vieles in Simfy nicht so funktioniert hat wie es sollte. In letzter Zeit ergab nicht mal die Suche nach speziellen Alben oder einzelnen Titeln irgendwelche Resultate.

Gerüchten zufolge will Apple demnächst einen eigenen Streamingdienst anbieten. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie dies umgesetzt wird. Aber ich vermute, wenn Apple einen entsprechenden Dienst anbietet, dieser auch perfekt funktionieren wird. Vor allem sollte es dann keine Probleme mit verschwindenden oder nicht verfügbaren Alben geben, die Musikauswahl in iTunes ist auf jeden Fall deutlich umfangreicher als bei Spotify.

Von den persönlich getesteten Streamingdiensten kann ich derzeit leider keinen einzigen vollends empfehlen.

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