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Sunday, October 2, 2011

Wie laut ist laut?

Über Lautstärke objektiv zu schreiben ist nicht einfach. Erstens wird der Schalldruckpegel in einer logarithmischen Skala gemessen, wodurch er für Nichtmathematiker (so wie mich) etwas schwer zu erfassen ist, indem eine Pegelerhöhung von 10dB in etwa einer Verdoppelung der Lautstärke empfunden wird, außerdem ist er eine technische Kenngröße, der mit der subjektiven Empfindung nicht unbedingt korrelieren muss.

Da ich jedoch Lautsprecher untereinander vergleiche und auch darüber schreibe, habe ich mir überlegt, wie ich die Unterschiede im Output auch für andere fassbar machen kann.

Oberfläche von Dezibel Ultra
Ich habe leider keinerlei geeichte Messinstrumente, habe aber trotzdem einen ersten behelfsmäßigen Versuch gewagt, ein paar meiner Lautsprecher pegeltechnisch in Bezug zueinander zu setzen. Auf dem Iphone habe ich die gratis App "Dezibel Ultra" installiert, die den Pegelverlauf auch über einen bestimmten Zeitraum aufzeichnen und die Werte als Textdatei weitergeben kann. Diese Werte kann ich in eine Tabelle importieren und die Lautstärkekurven in einem Diagramm darstellen.

Wie genau die aufgezeichneten Werte wirklich sind, kann ich nicht beurteilen. Aber man kann die Messungen wenigstens relativ zueinander vergleichen.

Die Idee war es, die Pegel aller Lautsprecher im Freien bei deren maximaler Lautstärke zu messen. Ich wollte keine Messungen im Innenraum durchführen, um möglichst nur den Direktschall ohne jegliche Reflexionen zu messen. Dazu habe ich die Lautsprecher jeweils mit 1m Abstand zum Iphone-Mikrofon aufgestellt und das selbe Musikstück bei maximaler Lautstärke abgespielt. Die Lautstärke habe ich gegebenfalls soweit abgesenkt, bis die gröbsten Verzerrungen verschwunden sind und die Wiedergabequalität annehmbar wurde. Außer FoxL, Jambox und dem Sounddock portable, hatten alle anderen Lautsprecher keine Probleme mit der maximalen Lautstärke und konnten voll aufgedreht gemessen werden.

So einen Test kann ich natürlich nicht im Garten durchführen, wenn ich keinen Krieg mit meinen Nachbarn anzetteln will. Deshalb sind meine Frau und ich auf eine abgelegene Wiese gefahren, und während meine Frau mit den Hunden einen kleinen Spaziergang gemacht hat, habe ich penibel alle Lautsprecher gemessen. Als Musikstück habe ich "Let The Love von Bennson", ausgewählt, weil es ausgewogen und druckvoll abgemischt ist, ohne schräge Frequenzen zu enthalten, die Lautsprecher bereits bei leisen Lautstärken an die Verzerrung bringen würden, außerdem ist es ein Stück, das ich mehrmals hintereinander hören kann, ohne dass es nervt.
Hier ein Foto vom Setup:

Gemessen wurden folgende Lautsprecher:
Soundmatters FoxL
Jawbone Jambox
Thinkoutside Boomtube H2O
Logitech s715i
Bose Soundlink mobile
Bose Sounddock Portable
Altec Lansing iMT800
Harman Kardon go+play II

Der Zuspieler war ein Iaudio U3 mit neutralem EQ und deaktivierten Effekten, der per Line-In Kabel an die Lautsprecher angeschlossen und bei maximaler Lautstärke (ohne EU-Limit) abgespielt wurde. Die Messung dauerte jeweils etwa 1 Minute lang, wobei die Werte im Intervall von 50ms aufgezeichnet wurden. Um die Diagramme dann zueinander zu synchronisieren und den Graphen nicht allzusehr zu stauchen, wurden alle Messungen auf den ersten erfassten Peak ausgerichtet und auf nicht ganz 30 Sekunden beschnitten. Gemessen wurde der "avarage dB" Wert, da der Peak den bereits am Iphone maximal erfassbaren Wert von 100dB öfters erreicht hat. Ich bin mir auch nicht sicher ob 1m Entfernung zu den Lautsprechern nicht zu wenig war, und die Messungen erst bei größerer Entfernung wirklich Sinn machen würden, denn die Messungen geben natürlich auch keinerlei Auskunft darüber, wie gut die Klangqualität der Lautsprecher bei dieser Lautstärke tatsächlich war. So gehört beispielsweise die Boomtube zwar zu den lauteren Lautsprechern, gab aber bei dieser Lautstärke keinerlei Bässe wieder, der Klang war extrem auf den Mittenbereich beschränkt, bei dem das menschliche Ohr sowieso am empfindlichsten ist. Am druckvollsten klang bei höchster Lautstärke z.B. der Altec Lansing iMT800, trotz einer bereits erkennbaren Dynamikkompression. Insgesamt war der Bose Sounddock Portable am lautesten, wobei der Klang da bereits extrem komprimiert war und gleichzeitig verzerrt, deshalb wurde der Sounddock Portable auch auf ein Maß abgesenkt, bis die Verzerrung halbwegs erträglich wurde. Am leisesten waren verständlicherweise die beiden Minilautsprecher FoxL und Jambox, die in keinster Weise lautstärkemäßig mit den anderen Lautprechern mithalten konnten. Der FoxL hätte zwar noch deutlich lauter spielen können, jedoch wären dann die Verzerrungen zu extrem.

Hier die Diagramme mit jeweils 2 Lautsprechern gegenübergestellt (Klick für volle Größe):
Foxl & Jambox
s715i & Boomtube
Sounddock & Soundlink
iMT800 & Go+play

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